Dienstag, 22. August 2017
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Nach einer lebhaften Besprechung mit einem Product Manager [PM] und seinem Chef (Technical Director), die sehr motiviert Scrum in einem Online-Medien-Projekt einführen, hier ein kurzes Resümee…

Beide Gesprächspartner machten während unserer Unterhaltung einen von Scrum überzeugten, teils begeisterten Eindruck. Seit ca. einem drei-viertel Jahr werden erste erfolgreiche Maßnahmen in einem Scrum-Pilot-Projekt umgesetzt. Gesponsert und getrieben wird das Vorhaben von den beiden. Die tatsächliche Unterstützung seitens der Geschäftsführung konnte nicht geklärt werden. Der PM ist unter anderem „auch als Scrum Master“ unterwegs.

Im Laufe der Unterhaltung ergab sich deutlich, dass sowohl der PM in seiner → neuen Rolle als Scrum Master weiter geschult als auch das Vorhaben selbst durch einen Scrum Coach intensiv begleitet werden müsste.

Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass die anfängliche Scrum-Euphorie schnell in Ernüchterung umkippen kann, falls einige bedeutende Scrum-Aspekte nur bedingt optimal oder als „Pseudo“-Scrum (→ „Scrum, but“) gelebt werden – hoffentlich nicht.

Spontan aufgefallen

Diese Haupt-Punkte sind mir – neben noch einigen anderen – im Gedächnis geblieben:

  • positiv ist ein Release-Zyklus von zwei Wochen (→ „Make Money Fast“). Ob eine Verkürzung des ebenfalls zwei-wöchigen Sprint-Zyklus weitere Optimierungen ermöglichen würde, könnte über → Retrospektiven thematisiert werden.
  • un-vorteilhaft: der PM ist im Alltag in mehreren Rollen unterwegs; natürlich ist er als PM, aber unter anderem auch als Scrum-Förderer, Scrum Master und Product Owner-Proxy beauftragt; ob diese Mehrfach-Aufgaben und deren bekannten Konflikt-Möglichkeiten, insbesondere bei der Relevanz und Sensibilität während der „Einführung“ eines Änderungsprozesses, ziel-fördernd sind? Erfahrungen signalisieren hier ernsten Handlungsbedarf…
  • un-günstigerweise werden die acht (Java-) Programmierer als „das Scrum-Team“ gesehen; das Scrum-Team ist also identisch mit der Entwickler-Crew – und damit unvollständig; andere „zur erfolgreichen Herstellung der Produkte“ [dort: Medien-Titel] Beteiligte scheinen scrum-untypisch nicht in das Team, sondern „nur“ im allgemeinen Doing eingebunden
  • dringend: es war keine Ausbildungs-Strategie für ein künftiges erfolgreiches Scrum-Vorhaben erkennbar oder spürbar
  • sehr nachteilig und stellvertretend für einige andere Schilderungen sub-optimaler Scrum-Umsetzungen:
    das Thema „Impediments“, eigentlich eine Chance und großer → Hebel für direkte und kurz-fristige Verbesserungen, wird über besonders gekennzeichnete Tickets im BugTracking-System verwaltet – ein in-effizientes und in-transparentes Vorgehen; hiermit wird eines der wichtigen Scrum-Artefakte → „Cargo Cult“-typisch und damit nachteilig gelebt – eigentlich ist diese Vorgehensweise selbst bereits ein „Impediment“ [die Anregung das Impediment Backlog für alle(!) sichtbar an einer zentralen (Flur-) Stelle zu platzieren, ist für die beiden Verantwortlichen eine Überlegung wert – s.a. → Transparenz]

Lessons Learned

Immer wieder erlebe ich als Agile Coach, dass Scrum aus der Ferne betrachtet scheinbar ganz passabel implementiert ist, bei näherem Einblick allerdings an vielen Ecken verbessert werden kann bzw. deutlich optimiert werden muss.

Der bereits oben erwähnte schädliche → „Cargo Cult“ ist dabei häufig zu spüren:

  • „…’Definiton of Done‘ ? Klar, haben wir im Wiki …“
  • „… ‚Impediment Backlog‘ ? Ja natürlich, notieren wir im BugTracking-System …“
  • „… ‚Burndown Chart‘ ? Das war uns zu lästig … machen wir nun über ein Tool …“ (s.a. → „Scrum-Team vs Aborigines“)
  • usw.

Sinn, Zweck und Ideen hinter den wenigen Scrum-„Vorschriften“ sind/werden nicht erkannt.

Eine Projekt-„Innen-Ansicht“ hilft aufgrund „natürlicher“ → Betriebsblindheit oder → Newbie-Sicht nur bedingt. Verbesserungen – ein Leitgedanke von Scrum und agilen Methoden – sind schwer möglich (→ Kaizen, → Continuous Improvement, „Inspect & Adapt“).

Von draußen sieht man mehr…

Ich hoffe und wünsche mir, dass die Gunst der Stunde wahrgenommen wird und das Projekt mit einem Agile Coach strategisch und nachhaltig unterstützt werden kann – noch scheinen alle von Scrum begeistert und die Ergebnisse sehr positiv…

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@ Boeffi  .net     aktualisiert am 02.08.2016

 

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